Formate & Transfer
Soziale Innovation verstehen und weiterdenken
Was ist Soziale Innovation – und wie lässt sie sich konkret gestalten? Wie verändern neue Ansätze professionelles Handeln in Sozialer Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung? Welche Formate, Methoden und Erfahrungen helfen dabei, Ideen weiterzuentwickeln und in Praxis und Lehre anschlussfähig zu machen?
Auf dieser Seite bündeln wir zentrale Erkenntnisse und dokumentieren Arbeitsweisen und Formate, die im Rahmen von Zukunftsneugier Jetzt! entstanden und erprobt wurden.
Soziale Innovation im SAGE-Kontext
Für mehr Teilhabe, Gerechtigkeit und Lebensqualität
Der Begriff soziale Innovation ist nicht einheitlich definiert. Je nach Disziplin, Institution oder Praxisfeld existieren unterschiedliche Verständnisse und Schwerpunktsetzungen.
Im Rahmen von Zukunftsneugier Jetzt! haben wir eine eigene Definition erarbeitet, die den spezifischen Anforderungen und Zielen im SAGE-Bereich Rechnung trägt.
Sie bildet die fachliche Grundlage unserer Arbeit: in der Lehre, in der Praxis und im gemeinsamen Weiterdenken sozialer Fragestellungen.
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Soziale Innovationen im SAGE-Bereich sind neue oder weiterentwickelte soziale Praktiken, die dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen besser zu bewältigen – durch veränderte Strukturen, neue Formen der Zusammenarbeit und eine stärkere Einbindung der Menschen, um die es geht.
Sie entstehen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft und zielen darauf ab, soziale Teilhabe, Gerechtigkeit und Lebensqualität nachhaltig zu stärken.
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Soziale Innovationen im SAGE-Bereich (Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung) sind neue oder weiterentwickelte soziale Praktiken, Organisationsformen und Kooperationsmodelle, die auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren und bestehende Routinen, Rollen und Strukturen in Frage stellen – mit dem Ziel, Teilhabe, Gerechtigkeit und Lebensqualität zu verbessern.
Sie entstehen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft – oft im Austausch mit den Menschen, die davon betroffen sind. Anders als technologische Innovationen richten sie sich nicht auf Produkte, sondern auf die Gestaltung sozialer Prozesse, Beziehungen und institutioneller Rahmenbedingungen – etwa durch partizipative Entscheidungsstrukturen, neue Beratungszugänge oder alltagsnahe Unterstützungsangebote.
In der Lehre wie in der Praxis ermöglichen soziale Innovationen Fachkräften, veränderten Bedarfen aktiv und gestaltend zu begegnen. Sie verbinden fachliches Wissen mit Zukunfts- und Gestaltungskompetenz und fördern ein professionelles Selbstverständnis, das auf Verantwortung, Reflexion und Zusammenarbeit beruht.
Modul
Design Thinking Sprint & Kompetenz-Kit für SAGE-Professionen
Im Wintersemester 2025/26 wurde an der KHSB das Modul „Soziale Innovation co-kreativ gestalten – ein Kompetenz-Kit für SAGE-Professionen“ durchgeführt. Das Modul war Teil des Projekts Zukunftsneugier Jetzt! und richtete sich mit einem Blockseminar an Studierende der SAGE-Studiengänge.
Ziel des Moduls war die Entwicklung eines Kompetenz-Kits, das angehende Fachkräfte dabei unterstützt, unter realen Bedingungen sozial innovativ handeln zu können. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Kompetenzen, Werkzeuge und Orientierungen dafür erforderlich sind.
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Format: Blockseminar mit kompakten Präsenzphasen
Teilnehmende: Zehn Studierende der SAGE-Studiengänge
Leitung: Leanie Simon (KHSB) mit Mechthild Bonnen (HWR)
Das Modul wurde als Design-Thinking-Sprint durchgeführt. Der Sprint strukturierte den gesamten Arbeitsprozess und bildete den methodischen Rahmen für Analyse, Ideengenerierung und prototypisches Arbeiten an praxisnahen Fragestellungen aus dem SAGE-Kontext.
Der Design-Thinking-Prozess gliederte das Arbeiten in klar definierte Phasen (Verstehen/Beobachten – Point of View – Ideation – Prototyping) und unterstützte eine iterative, co-kreative und gemeinschaftliche Arbeitsweise.Ziel des Sprints war es, analytische, reflexive und kreative Zugänge miteinander zu verbinden und den Studierenden ein methodisches Vorgehen für den Umgang mit offenen Problemstellungen zu vermitteln.
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Im Modul wurden drei Ebenen systematisch miteinander verschränkt:
Soziale Innovation im SAGE-Kontext (sozial, organisatorisch, prozessual)
Zukunftskompetenzen (Future Skills) nach Ulf-Daniel Ehlers
Professionelle Handlungsfähigkeit unter komplexen Arbeitsbedingungen
Ein besonderer Fokus lag auf Emotionen, Kommunikation und Belastung als Teil professioneller Praxis und struktureller Realität sozialer Arbeitsfelder.
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Im Modul entstanden Prototypen und Werkzeugideen für ein Kompetenz-Kit, das angehende Fachkräfte dabei unterstützt, soziale Innovation im SAGE-Bereich unter realen Praxisbedingungen denken, reflektieren und vorbereiten zu können. Im Fokus standen dabei insbesondere:
Reflexions- und Orientierungstools
Kommunikations- und Teamformate
Strukturierungshilfen für komplexe Entscheidungssituationen
Die Studierenden arbeiteten dabei an konkreten Praxisbezügen, u. a.:
Umgang mit emotionaler Überforderung im profesionellen Handeln
Kommunikation in Teams unter Zeit- und Erwartungsdruck
Entscheidungsdilemmata im Berufsalltag
fehlende Räume für Reflexion und Austausch und gemeinsames Lernen
Die Arbeit an diesen Themen floss in die Entwicklung erster Prototypen für ein Kompetenz-Kit ein, das zentrale Anforderungen und Spannungsfelder professioneller Praxis im SAGE-Bereich aufgreift. Zwei Studentinnen brachten den im Modul entwickelten “Frustbus” in das Radical Ideas Lab auf dem Inno:Festival ein.
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Das Modul machte sichtbar: In der Perspektive angehender Fachkräfte beginnt soziale Innovation mit der Frage, wie professionelle Handlungsfähigkeit unter belastenden Rahmenbedingungen gesichert werden kann.
Bevor angehende SAGE-Fachkräfte sozial innovativ handeln können, müssen sie emotional, kommunikativ und strukturell handlungsfähig sein.
Dass die Studierenden zunächst Stabilisierung und Orientierung priorisierten, verweist nicht auf mangelnde Innovationskraft, sondern auf die realen Bedingungen der Arbeitsfelder, die sie antizipieren oder bereits kennen.
Anschlussfähigkeit:Lehre: Das Format zeigt, wie soziale Innovation als Querschnittsthema über methodische Rahmung in Lehrveranstaltungen bearbeitet werden kann.
Praxis: Die Ergebnisse verweisen auf einen Bedarf an praxistauglichen Werkzeugen, die Fachkräfte in Reflexion, Kooperation und Kommunikation stärken.
Forschung: Die Beobachtungen legen nahe, soziale Innovation im SAGE-Bereich stärker professionsbezogen zu untersuchen – als Zusammenspiel von strukturellen Bedingungen, Emotionen, Kommunikation und Handlungsfähigkeit.
KAMPAGnE
Soziale Innovation in den Hochschulalltag holen
Soziale Innovation wirkt für viele Studierende zunächst abstrakt oder technisch – und oft weit entfernt vom eigenen Handeln. Gleichzeitig erleben sie im Studium, im Praktikum und im Berufsalltag Situationen, in denen Routinen an Grenzen stoßen und Veränderung notwendig wird.
Genau hier setzt die Kampagne an. Sie zeigt, dass soziale Innovation im SAGE-Bereich nicht bei großen Konzepten beginnt, sondern im professionellen Alltag – dort, wo Menschen hinschauen, hinterfragen und Verantwortung übernehmen.
Die Motive greifen persönliche Ausgangslagen wie Zweifel, Frust oder Neugier auf und verbinden sie mit konkreten Zugängen zu sozialer Innovation. So entstehen Gesprächsanlässe: über eigene Erfahrungen, über Veränderungspotenziale – und darüber, wie professionelles Handeln weiterentwickelt werden kann.
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Die Kampagne reagiert auf drei im Projekt identifizierte Herausforderungen:
Soziale Innovation wird von vielen Studierenden als abstrakt wahrgenommen; Unsicherheit im eigenen Handeln ist verbreitet; Zeit- und Ressourcenmangel prägen den StudienalltagDie Kampagne setzt bewusst bei menschlichen Zuständen an wie Zweifel, Frust, Neugier, Wut, Langeweile, Empathie.
Diese Emotionen werden als produktive Ausgangspunkte für Veränderung verstanden. Die Kommunikationslinie würdigt sie als legitime Impulse für soziale Innovation und verbindet sie mit Zukunftskompetenzen, die im Projekt gefördert wurden.
So wurde soziale Innovation als etwas dargestellt, das im professionellen Alltag angelegt ist – im Praktikum, im Seminar, im Berufsalltag
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Gestalterisch wurde diese Haltung durch kontrastreiche Portraitmotive und eine prägnante Typografie sichtbar gemacht. Die Motive arbeiteten mit Irritation und Wiedererkennung zugleich und waren so angelegt, dass sie auf Print-, Digital- und Raumformate übertragbar sind.
Die modulare Struktur ermöglichte eine flexible Nutzung in unterschiedlichen Kontexten – vom Plakat bis zur digitalen Ausspielung.
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Die Kampagne war visuell präsent und dialogisch angelegt.
Sie erschien:
auf Plakaten und Postkarten
auf Tischkarten mit Projektgeschichten
auf Bannern und Roll-Ups
auf Social Media
als räumliche Intervention im Hochschulgebäude
Ziel war es, soziale Innovation in den Hochschulalltag zu integrieren – als Gesprächsanlass und als Impuls zur Auseinandersetzung.
Ergänzt wurde dies durch Austauschformate und Rauminstallationen auf dem Campus. In persönlichen Gesprächen, moderierten Settings wie die Inspirationsecke und informellen Begegnungen konnten wir mit Studierenden, Lehrenden und Praxispartner:innen über eigene Beobachtungen und Veränderungspotenziale ins Gespräch kommen.
Fachwissenschaftliche WErkstätten
Zukunftskompetenzen im Kontext von Berufsidentität
Die Fachwissenschaftlichen Werkstätten sind als Lern- und Erfahrungsräume angelegt und begleiten Studierende insbesondere in der Studieneingangsphase. Zukunftsneugier Jetzt! besuchte eine Fachwissenschaftliche Werkstatt, um soziale Innovation mit Fragen professioneller Berufsidentität zu verknüpfen.
Ziel war es, soziale Innovation als Teil professionellen Handelns sichtbar zu machen und Zukunftskompetenzen als Grundlage für Handlungsfähigkeit in komplexen Situationen zu reflektieren.
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Die erste Werkstatt richtete den Blick auf Erfahrungen, Beobachtungen und Emotionen im beruflichen Kontext. Studierende arbeiteten mit Kompetenzkarten, reflektierten eigene Situationen aus Studium und Praxis und setzten sich mit dem Modell der Future Skills nach Ulf-Daniel Ehlers auseinander.
Future Skills beschreiben Handlungskompetenzen für offene und unbestimmte Situationen. Sie ermöglichen selbstorganisiertes, reflektiertes und verantwortliches Handeln in komplexen Kontexten.
Im Zentrum stand die Frage, welche Kompetenzen helfen, Unsicherheiten wahrzunehmen, Probleme zu verstehen und Veränderung aktiv zu gestalten.
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Die zweite Werkstatt knüpfte daran an und arbeitete mit einem Problemboard, Projektbeispielen aus der Galerie sowie einem Analyse-Canvas.
Studierende analysierten soziale Innovationsprojekte entlang eines Prozesses:
Problem → Betroffene → Akteur:innen → Kompetenzen → Innovation → Wirkung.Anhand von Beispielen wie Online-Suizidprävention (U25), Minor Digital Streetwork oder Querstadtein wurde deutlich, welche Zukunftskompetenzen in unterschiedlichen Kontexten wirksam werden.
In der anschließenden Verdichtung entstand ein Kompetenznetz, das wiederkehrende Muster sichtbar machte und mit Fragen professioneller Identität verknüpfte.
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Die Werkstätten bezogen sich auf das empirisch entwickelte Future-Skills-Rahmenmodell mit 17 Kompetenzprofilen in drei Kompetenzfeldern:
Lernen & Selbstentwicklung
Entwickeln & Gestalten
Co-Kreation & Sinnstiftung Handout_Future Skills_FWW
Zukunftskompetenzen wurden als erwerbbare Handlungsdispositionen verstanden, die in kooperativen, reflexiven und erfahrungsorientierten Lernsettings gestärkt werden können.
Der Abschluss erfolgte mit dem „Baum der Zukunft“, in dem Studierende eigene Entwicklungsfelder formulierten und Kompetenzwachstum als Teil ihrer Berufsbiografie reflektierten.
Für die Fachwissenschaftlichen Werkstätten haben wir Theorie, Praxisbeispiele und Selbstreflexion verbunden. Es wurde sichtbar, wie soziale Innovation im SAGE-Bereich aus Problemen entsteht – und welche Zukunftskompetenzen professionelles Handeln dabei tragen können.
Weiterführung & Nutzung
Die im Projekt entwickelten Formate, Materialien und Arbeitsweisen stehen exemplarisch für eine Verbindung von Lehre, Praxis und Reflexion im SAGE-Kontext. Sie dokumentieren, wie soziale Innovation als fachliche Fragestellung bearbeitet und mit Zukunftskompetenzen verknüpft werden kann.
Die Ergebnisse laden dazu ein, diese Ansätze in eigenen Lehrkontexten, Projekten oder Praxisfeldern aufzugreifen, weiterzuführen und kontextspezifisch weiterzuentwickeln. Materialien, Methoden und Erfahrungen können angepasst, kombiniert und erweitert werden.
Zukunftsneugier Jetzt! bleibt nicht auf ein abgeschlossenes Projekt begrenzt, sondern versteht sich als Beitrag zu einem kontinuierlichen fachlichen Austausch über soziale Innovation im SAGE-Bereich.